Detroit: Become Human

Willkommen im Detroit der 2030er Jahre! Detroit Become Human ist die erste Neuentwicklung des Entwicklungsstudio Quantic Dream für die PlayStation 4. Als ein Exklusivtitel reizt das Spiel viele Funktionsmöglichkeiten aus, die der Konsole zur Verfügung stehen und sieht dabei fantastisch aus. Erschienen am 25. Mai 2018. Diese Rezension wird so wenig wie möglich von der Handlung verraten.

20 Jahre später hat die Technik sich weit genug entwickelt, dass die Menschheit verlässliche Maschinen mit menschlichen Gesichtern erschafft, um das Leben zu erleichtern. Die Firmen wie CyberLife liefern diese mechanischen, maßgeschneiderten Arbeitskräfte und gehören zum Anblick dieser Welt. Doch etwas scheint sich in unerwartete Richtungen zu entwickeln.

In diesem Spiel verfolgt man das Schicksal von drei Androiden. Der Haushaltsandroide Kara. Ihre Aufgabe ist das Haus des Besitzers aufzuräumen, Wäsche zu waschen, zu kochen und was sonst noch so für ein Hausmädchen für alles an Arbeit anfällt. Markus der Butler und Altenpfleger Android. Zwar ist sein Besitzer auf ihn angewiesen, um mobil auf seine alten und kränkelnde Tage zu bleiben, doch der alte Künstler sieht bereits mehr als andere Menschen sehen. Den ersten Androiden, den man kennenlernt, ist der Vermittler und Ermittlerandroide Connor, der von CyberLife der Polizei von Detroit zur Verfügung gestellt wird, die am Horizont lauernde Gefahr zu untersuchen bevor es zum äußersten kommt.

Diese drei Androiden haben unterschiedliche Herangehensweisen, Vorstellungen von der Zukunft und was sie sein wollen. Die Entscheidung überlässt das Spiel dem Spieler. Als Ermittlerandroide analysiert man in Echtzeit Tatorte verlässlich. Während die menschliche Forensik sich vielleicht sogar am Tatort verspätet, kann Connor wichtige Beweise auswerten und Tathergänge rekonstruieren. Er wurde als Androidenpartner dem Polizeiermittler Hank Anderson zu geteilt, dessen Vertrauen Connor sich ehrlich oder unehrlich erarbeiten kann. Connor ist im Verlauf eine sehr formbare Figur in der Handlung, so drückt die Musik, die für ihn komponiert wurde, seine Zweifel und Unsicherheit aus.

Markus erledigt als Haushälterandroid für den gut betuchten Künstler Carl Manfred viele Dinge, zu denen Carl selbst nicht mehr in der Lage ist. Mit Markus holen wir ein Paket Farbe in der Stadt ab und erleben wie zum Zeitpunkt vom Anfang des Spiels die Bevölkerung größtenteils von Androiden hält. Sie sind Arbeitsmaschinen, die nie ermüden und dem Menschen das Leben erleichtern. Die Androiden denken größtenteils gar nicht darüber nach und tun wofür sie programmiert wurden. Der Fortschritt der Technologie bringt aber auch viel Armut auf Seiten der Menschheit mit sich, da Androiden weniger kosten und sich so gut wie gar nicht beklagen durchzuarbeiten. Markus kann ggf. von einem wütenden Mob auf der Straße angefallen, sowie erniedrigt werden und Teil der Programmierung der Maschinen ist es, Menschen nicht zu gefährden. Unter keinen Umständen. Doch Carl Manfred kann zu einer Figur werden zu der Markus aufblickt.

Mit dem Haushaltsandroiden Kara verrichtet man zu Beginn stumpfe Hausarbeit. Wäsche waschen, aufräumen, Essen kochen und ihren Besitzer Todd zu bedienen. Todd gehört zu der Mehrheit der Menschen im Spiel die man als unangenehm bezeichnen kann und er bringt Kara an einen Punkt in dem sie als erste der drei Androiden zu dem wird, was das Spiel als Abweichler betitelt. Androiden die ihre vorprogrammierten Prozessabläufe, die den Androiden als Diener oder auch als willigen Sklaven für den Menschen agieren lässt, vom Spiel demonstrativ gezeigt, durchbrechen. Sie flieht mit Alice, der Tochter von Todd, aus dem Haus.

Jeder der drei Androiden hat seinen Punkt an dem er selbstständig handelt, einer früher der andere später und bei Connor darf der Spieler entscheiden. Und hier zumindest trifft die Werbeaussage von Qunatic Dream zu, dass die Entscheidungen des Spielers die Figuren beeinflussen. Connors Antwort auf die Frage, ob er lebt oder eine Maschine ist, wirkt sich nicht immer gleich aus, wenn der Spieler mit ihm zu vor andere Entscheidungen getroffen hat. Diese können im Konflikt stehen und am Ende des Kapitels zeigt einem das Ablaufdiagramm, dass es einen anderen Weg gegeben hätte, hätte er Spieler im selben Kapitel oder an einem anderen Punkt des Spiels sich anders entschieden. Es gibt Stellen im Spiel, in denen wirklich das Spiel andere Abschnitte zeigt, da man sich an einem Punkt für Weg B statt C entschieden hat. Im ersten Zusammentreffen zwischen Connor und Kara kann es zur Begegnung kommen, muss es aber nicht.

Die Geschichte an sich ist dabei vollkommen in Ordnung, denn im Grunde wird hier eine Puppe lebendig und als empfindsames und intelligentes Wesen fordert sie für sich Anerkennung von Würde. Leider schwächelt diese Handlung an den Klischeerollen vieler Figuren. Da wäre der drogenabhängige, versoffene und unangenehme Schlägervater dann die weibliche Hauptrolle, die mehrmals zwielichtigen Figuren entkommen muss und sich um das Kind sorgt. Da hätten wir dann auch den versoffenen Polizeiveteran, der aufgrund eines schweren Verlustes sich gerne das Leben nehmen würde. Die Handlung bietet im Grunde auch nur zwei Meinungen, die der Androiden und die der Menschen, die ihre künstlichen Sklaven behalten wollen und bei jeder Auffälligkeit sofort diese zerstören möchte. Gleich wird diese auch ersetzt durch verlässlichere Modelle. Jemand der durchgehend auch mal aktiv den Weg lebt, dass Android und Mensch bereits zusammenarbeiten fehlt komplett bzw. einzige Möglichkeit es ansatzweise zu sehen liegt beim Spieler, wenn er Connor spielt. Ebenso sind nur die drei steuerbaren Androiden in der Lage zu differenzieren, jeder Android der von diesen vielleicht befreit wird, schließt sich gleich der kollektiven Meinung der Herangehensweisen von den Androiden an. Trotzdem funktioniert die Handlung für sich, es bleiben wenig Fragen aufgrund, dass etwas fehlte, obwohl es hätte da sein müssen.

Untermalt wird die Handlung von Musik, die von drei Komponisten erstellt wurde. Erstaunlich gut funktioniert es in Kapiteln in denen gleich alle drei Androiden ihre Rolle haben, dass die Musikstücke sich rechtzeitig abwechseln. Bei den Stücken für Markus ist die Musik weit dramatischer, ist aber auch kräftiger, das zu Markus rebellischen Charakter passt. Sowie sein Gefühl für eine hoffnungsvolle Begegnung von Mensch und Android. Karas Melodien sind melancholischer und wiegen etwas schwerer, während sie auf der Suche ist sich und das Kind in Sicherheit zu bringen. Grafisch ist Detroit Become Human eines der schönsten PlayStation 4 Spiele. Zufriedenstellend sind die Szenen zusammengesetzt aus Umgebung und der Handlung der Figuren. Die Figuren haben ihre Eigenheiten, die ihre Animationen tadellos umsetzen, wie zum Beispiel Connors Eigenheit stets mit einer Münze in den Händen zu jonglieren oder seine etwas eitle Art im Spiegel sein Erscheinungsbild akkurat zu haben.

Die Steuerung ist schwierig. In den Reaktionszenen, in denen der Spieler aufgefordert wird bestimmte Tastenkombinationen zu rücken, funktioniert sie ausgesprochen gut. Leider tut sie es nicht immer, wenn man eine Figur durch die Gegend navigieren möchte oder gar einen schmalen Gang entlang zu gehen. Es gibt ein Level auf einem alten Schiff und die Türen sind realistisch schmaler. Manchmal klappt es den Androiden dadurch zu bringen, nicht selten aber ist, dass der Android einfach nicht den Schritt über die Kante macht. Das Wechseln des Kamerawinkels kann das sogar verschlimmern. Die Steuerung reagiert manchmal nicht schnell genug auf den Kamerawechsel und ist noch wie vorher ausgerichtet ist, womit man schlicht nicht weiter kommt. Leider kann man in den Einstellungen auch nicht die Empfindlichkeit der Steuerknüppel am Gamepad einstellen. Ein sachter Druck nach links und die Figur macht an einer ungünstigen Stelle auch mal eine 90 Grad Wendung. Ebenso steuert die KI die Statisten oft etwas sonderbar. Hier und da sieht man mal eine Figur gegen eine Wand laufen.

Detroit Become Human ist ein sehr dicht erzählter Spielfilm, der den Spieler mit einbezieht. Die Entscheidungen die der Spieler treffen kann sind befriedigend weit reich. An manchen Stellen habe ich mich gefragt, warum ich hier nun keine Entscheidungsfreiheit habe. Trotzdem hatte ich Spaß beim Spielen und habe mit der ein oder anderen Figur mitgefiebert und mir für jemanden wie Connor ein schönes Ende dieses Grundspiels gewünscht. Gehofft habe ich, dass er seinen Weg und Platz findet. Wenn mich die Figur packt und berührt, macht das Spiel etwas richtig. Daher verdient das Spiel ganz klar eine Empfehlung für jene, die einen interaktiven Spielfilm spielen wollen und vielleicht ein Spiel mehrfach auf verschiedene Arten erleben möchten. Denn das will Detroit Become Human sein und das ist es verdammt gut. Die stereotypische Rollenverteilung, sowie die Auslegung auf nur zwei Lager in dem gezeigten Konflikt sind die Punkte an denen ich das Spiel wirklich kritisieren kann.