Assassins Creed Origins

Wie schön, dass sich mit Assassin‘s Creed Origins zeigt, wie wichtig genug Zeit für ein Spiel sein kann. Ein Jahr Auszeit haben die Entwickler sich genommen, um an der neuen Ausgabe der Serie zu arbeiten und Aspekte des Spiels umfunktioniert, ausgetauscht und in ihrem Sinn anders dargestellt. Trotz der Änderungen erkennt man nicht nur an der Handlung des Spiels, dass es sich hierbei um die faszinierende Assassin‘s Creed Serie handelt. Für diese Rezension habe ich die PlayStation 4 Version auf der PlayStation 4 Pro verwendet.

Intrigen im alten Ägypten

Der jüngere Pharao des Zwillingspaars und funktionellen Ehepaars Ptolemaios XII.. In 49 nach Christus besucht das Dorf Siwa mit seinen Soldaten. Sie werden vom Dorf ehrfürchtig erwartet und sind ein Grund, die harte Tagesarbeit kurz ruhen zu lassen, um den Pharao hautnah zu erleben. Darunter auch Aya und Bayek, der bereits am Platzeingang in erster Reihe stehen und zu seinem Pharao lächelnd und Respekt zollend hinaufblickt. Der von oben herab abschätzige und missgünstige Blick des Pharaos lässt Bayek an seinem Gesicht erkennen, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Danach bricht die Erinnerung ab und wir erfahren lückenhaft, was dann geschah.

Bayek und Aya erleiden einen Verlust, der ihrer Beziehung stark zusetzt, aber nicht ihre Hingezogenheit.
Bayek erklärt jedenfalls, dass er alle Maskenträger und Ptolemaios XII. jagen und töten wird für das, was Ägypten und seine Familie durchleiden müssen. Er zieht wieder als Medjai durch Ägypten und sucht nach Hinweisen, die ihn zu seinen Zielen führen.

In der Schlacht ist vieles erlaubt

Die markanteste Veränderung hat die Spielmechanik durchgemacht. In Origins haben Level, Bewaffnung und Fähigkeiten Auswirkungen auf den Kampf. Die Bewaffnung wurde bereits in den Vorgängern stets erweitert und passten immer zur Spielumgebung.

Jetzt haben die verschiedenen Waffen eigene Klassen mit Auswirkung auf Angriffsart sowie Qualität. Ebenso ist wichtig, die Stufe der Waffe und ihre teils besonderen Fähigkeiten. Keulen, schwere und lange Waffen werden von Bayek stets anschaulich verwendet, doch sind generell langsamer als leichte und umgängliche Waffen sowie Doppelschwerter und andere Klingen. Mit einem Speer hält man Gegner erst mal hauptsächlich auf Distanz. So erreichen die Gegner einen nicht all zu schnell. Auf der richtigen Stufe richten sie beim Gegner Schaden an. Ist die Stufe zu niedrig, da entweder das Gebiet allgemein höher stufigere Gegner besitzt oder man in einem Abschnitt eines Gebietes ist, indem mal ein paar stärkere Gegner rumlaufen.
Bei einem Schmied kann man die Qualität der Waffe verbessern, so dass man eine Waffe, die man mag, behalten kann. Auch sollte man bei der Waffe auf ihre besonderen Fähigkeiten achten. Waffen können grundsätzlich Feuerschaden, Giftschaden oder Blutungsschaden verursachen. Permanenter Schaden über Zeit also. Die Waffe kann einen höheren Angriffsgeschwindigkeit haben, oder kritische Treffer verbessern in Anzahl und Häufigkeit.

Grundsätzlich ist immer die Möglichkeit gegeben, aus der Distanz anzugreifen und auch hier gibt es mehrere Klassen von Bögen. Sie unterscheiden sich in ihrem Schadenspotential auf Basis der bevorzugten Spielweise. Leichte Bögen haben eine grundsätzlich schnellere Feuerrate, aber machen mit einem Schuss weniger Schaden. Für den Nahkampf nützlich, um dem Gegner schon einmal einige Lebenspunkte zu nehmen, bevor es zum Klingenkreuzen kommt.
Kriegsbögen machen dagegen mehr Schaden und verschießen drei Pfeile auf einmal. Jagdbögen sind gute Scharfschützenwerkzeuge, denn wirksam sind sie nur bei voller Spannung. Im Nahkampf könnte man sie zur Eröffnung verwenden, wenn der Gegner einen noch nicht bemerkt hat, aber sonst ist der Schaden bei diesen Bögen tendenziell weniger.
Die vierte Klasse ist der Raubtierbogen. Er hat eine geringere Munitionskapazität und sein Schaden ist etwas höher auf selber Stufe, als bei einem Jagdbogen. Dafür kann der Spieler den geschossenen Pfeil mit gedrückter Abschusstaste gesteuert werden, direkt in die Schwachstellen eines Gegners. Zum Beispiel in den Kopf und erzeugt somit gleich kritische Schäden und führt bei gleichstufigen oder niedrigstufigen Gegnern zum sofortigem Tod.

Alle Stellen, die nicht durch schwere Rüstung verdeckt werden gelten als Schwachstellen. Gegner mit eine Kettenrüstung vor der Brust nehmen nicht so viel Schaden an diesem Punkt, wie sie an offenen Oberarmen einstecken würden. Einige Gegner tragen Schilde, entweder man schlägt mit einem starken Angriff zu und bringt die Gegner kurz ins Taumeln, was ihre Deckung schwinden lässt oder man trifft sie mit einem aufgeladenen, schweren Angriff und bringt sie zu Fall. Nicht schön an diesem Punkt ist, dass Bayek seine Angriffsanimation nicht auf den Boden liegenden Gegner richtet. Er schlägt weiter gerade aus und macht trotzdem Schaden. Bayek selbst kann schweren Angriffen ausweichen und leichte Angriffe mit seinem Schild blocken und auch zurückschlagen, um den Gegner wieder ins Taumeln zu bringen.

Für jede Angriffsart kann Bayek zwei Waffen ausrüsten. Zwei Bögen und zwei Nahkampfwaffen. Mit den linken und rechten Steuerkreuztasten wechselt man die Waffen durch. Das geht auch problemlos im Kampf. Bayek ist da sehr flink.

Im Kampf kann Bayek auch verschiedene Hilfsmittel einsetzen. Auf der Dreieck-Taste kann Bayek nach Erlernen der Fähigkeit eine Nebelwand erzeugen, was ihn nach einem Angriff oder dem einfachen Ausweichen, aus dem Blickfeld der Gegner kommen lässt. Diese sind dann erst mal verwirrt und betäubt. Das ist für Bayek die Gelegenheit, dem Gegner viel Schaden zuzufügen und von hinten zu erstechen. Mit Brandbomben versetzt Bayek Gegner in Schrecken und lässt sie unaufmerksam werden. Gegner können betäubt, Leichen mit einem Gift versehen werden, um weitere, sorglose Gegner zu vergiften.

Die Montur bringt keine besonderen Vorteile im Kampf und sieht nur relativ gut aus. Wahlweise kann Bayek die Kapuze tragen. Es gibt eine Auswahl an Reittieren im Spiel zu finden, die ebenfalls ausgerüstet werden können im Ausrüstungsbildschirm. Es gibt verschiedene Kamele und Pferde, sie haben jedoch keine Auswirkungen auf irgendwelche Charakterwerte. Der Kampf vom Reittier aus funktioniert ebenso flüssig und super wie zu Fuß. Man kann Gegner vom eigenen Reittieren herunterstoßen, Personen umrennen und andere Reittiere rammen. Das Aufsteigen auf ein Reittier funktioniert von jeder Position von Bayek aus, solange das Reittier in der Nähe ist, Bayek schwingt sich drauf. Das Reittier lässt sich problemlos kontrollieren Die Geschwindigkeit wird mit dem linken Stick reguliert, mit dem Drücken des linken Sticks kann Bayek das Reittier dazu bringen zu rasen. Die Geschwindigkeit kann gedrosselt werden, wenn man den Stick zurücklegt.

Im Ausrüstungsbildschirm finden sich noch Rüstungskomponenten, mit denen man die Angriffswerte erhöhen kann. Die ikonische versteckte Klinge wird im Verlauf des Spiels freigeschaltet, deren Schadenspool eine eigene ist und unterscheidet sich von dem des Angriffes mit Nahkampfwaffen.
Bayek kann die maximale Kapazität des Köchers verbessern. Die Handschuhe aufwerten, um den Fernkampfschaden zu verbessern, ebenso die Armschienen für den Nahkampfschaden. Mit dem Aufwerten des Brustpanzers erhält Bayek mehr Trefferpunkte und die Munitionskapazität von Hilfsmitteln ist auch verbesserbar.

Selbst ist der Mann

Bayek ist sehr bewandert im Handwerk. Erlernen muss er es daher nicht mehr. Dafür sollte man in der Spielwelt die Augen aufhalten nach Rohstoffen. Um die Gegenstände zu verbessern braucht es viele Werkstoffe, die aus Fellen von Tieren, Erzen aus geschmiedeten Waffen und Holz aus (feindlichen) Lagern bestehen können. Mit der Fähigkeit ‚Materialkäufer‘ im Baum des Sehers schaltet man bei Schmieden und Webern im Bestand die Werkstoffe frei. Ansonsten muss man Militärlager und Karawanen von ägyptischen und griechischen Soldaten überfallen. Und jede Menge Vieh erlegen.

An Militärbasen kommt man häufiger vorbei, denn sie sind oft mit Aufgaben und der Handlung verbunden. Schon wegen den Schätzen, die aus Werkstoffen bestehen können, besucht man häufig diese Basen. Mit Adler Senu macht man wichtige Orte im Lager, ebenso die Anzahl und Aufenthaltsorte der Wachen ausfindig. Senu findet Leuchtfeuer, Geschütze und Schleichwege die Festung. Der Spieler kann sich hier eine Strategie zurechtlegen, um die Basen leer zu räumen. Personell und logistisch. Die Leuchtfeuer können manipuliert und unbrauchbar gemacht werden, die Gelegenheit ist meist gegeben, wenn noch nieman weiß das man da ist. In jeder Basis gibt es Hauptmänner und/oder Kommandanten. Erst wenn diese getötet wurden und alle Truhen geplündert, gilt eine Militärbasis als abgeschlossen. Dieses Element des Spiels taucht häufig auf und kann leicht in Arbeit ausarten. Man muss aber wie überall darauf achten, dass man das korrekte Level hat, sonst wird es sehr schwer.

Diese Militärbasen gibt es dann auch in drei verschiedenen Stufen. Kleine Militärbasen, meistens bestückt mit einem Schatz und einem Hauptmann. Größere Militäraußenposten, die noch zusätzliche einen Kommandanten und mehrere Schätze beherbergen können. Militärstützpunkte sind gut befestigt und bewacht, es gibt oft zwei Hauptmänner und eine variable Anzahl an Kommandanten, aber es gibt viele Schätze zum plündern. Die Rollenspielmechanik bei Kämpfen verhindert, dass Bayek Gegner, die auf einem erheblich hören Level sind, mit der versteckten Klinge sofort eliminiert werden können. Das verhindert, dass man in manche Gebiete zu früh einfällt.

So alt sieht es hier doch gar nicht aus... Es ist Antik!

Grafisch ist Origins ein sehr hübsches Spiel. Die Welt ist sehr offen, die Städte sind alle auf der selben Karte. Die Gebiete unterscheiden sich und gehen in einander fließend über. Die Gebiete am Wasser sind grün und ragen in die Wüstenlandschaften der Sahara. Die flachen Gebiete am Nil sind sumpfig schön. Bewohnt von Landbevölkerung, Krokodilen und Nilpferden. Die Fauna lauert im Wasser, verdeckt vom Schilf auf Beute bestehend aus Vögeln und Antilopen. Sie agiert und interagiert miteinander.

Die Bewohner haben ihren eigenen Tagesablauf, die sich ähneln oder unterscheiden je nach Ort und Person. Die Aristokratie lebt in den dicht besiedelten Gebieten und geht Geschäften nach in den Treffpunkten der Kultur, auf engen Raum, auf den Straßen von Alexandria. Die streng gläubigen und wohlhabenderen Ägypter wohnen näher an der Stadt Memphis. Die Bevölkerung auf dem Land setzt sich aus Bauern zusammen, aus Griechen und Ägyptern. Mit Bayek stellt man sich an einem Punkt in einer Ansiedlung hin und man kann beobachten, was die Leute so treiben. Am Tag wird gearbeitet und zum Abend werden Boote am Uferrand abgestellt für den nächsten Tag und im eigenem Lehmheim wird geschlafen. Bis zum Sonnenaufgang. An Kochstellen wird zubereitet und dann geht es zurück zur täglichen Mühsal.

Origins vermittelt einen Eindruck wie groß Ägypten ist. Der Landschaftsverlauf von den Ufern am Nil zu den felsigen Landschaften im inneren des Landes. Das Plateau, auf dem die Pyramiden von Gizeh stehen zeigt, dass diese Gräber nicht nur tief im Erdreich vergraben sind, sondern fest im Felsen stehen. Das Heraufkraxeln auf die Pyramiden erweist sich etwas schwieriger, als auf einfache Türme und Häuser. Der Ausblick zeigt einem jedoch wie weit Ägypten geht. Der Blick geht sehr weit sei hier noch mal erwähnt. Es sei denn, man hat einen Berg vor der Nase.

Bayek kann im Gegensatz zu manch anderen Protagonisten nicht nur schwimmen, sondern auch tauchen. Unter Wasser sieht man die Sonnenstrahlen scheinen und sich im Wasser brechen. Auch bei Mondschein ist der niedrige Flussboden noch gut beleuchtet.
Die Sonne scheint und wenn Bayek zu lange in der offenen Sonne im Sand steht, sieht man Lufterscheinungen. Zum Beispiel eine Frau im Blumenfeld. Sehr schön gemacht und durchdacht.

Die physischen Effekte sind ebenfalls super in die Spielwelt implementiert. Pfeile, die in Flammen gehalten werden, können Feuer fangen und Brandschaden verursachen. Oder andere leicht entzündliche Objekte in Brand stecken, auch Personen. Ist Bayek von einem Feuer befallen, kann er sich mit Ausweichen rollend löschen oder er springt in die nächste Wasserstelle. Tiere fliehen augenblicklich vor jeglichem Feuer.

In der Summe...

Assassin‘s Creed Origins ist für die Reihe einen Schritt nach vorne. Grafisch und spieltechnisch hat es sich wünschenswert weiterentwickelt. Mir sind ein paar lustige Verhalten von NPCs aufgefallen, so brettern gerufene Reittiere durch Bezäunungen und rennen Leute um. Wenn man es ruft, kann es sein, dass es irgendwo gegen Felsen rennt, im Kreis rennt und nicht zu Bayek reitet. Passanten stehen plötzlich auf dem Heuwagen, in dem Heu. Oder Passanten karren mit ihren Karren auf den Pflanzeninseln in den Straßen von Alexandria. Diese Begebenheiten wirken komisch, ich empfand diese jedenfalls eher unfreiwillig komisch als störend.

Es gibt keine Fehler, die verhindern, dass eine Aufgabe abgeschlossen werden kann oder die Handlung zum Stillstand kommt. Bayeks Kletterei funktioniert besser als bei anderen Protagonisten und er macht auch das, was er soll und verheddert sich höchstens an offenen Fenstern, wo es teilweise auf den Kamerawinkel ankommt, ob das Spiel einem nun ermöglicht per Knopfdruck durch das Fenster zu klettern oder nicht.

Die Handlung lässt historische Figuren auftreten und sind wichtige Protagonisten in der Geschichte. Kleopatra ist herrlich berechnend, Ptolemaios XIII. ist manipuliert und machtbesessen wie naiv, Cäsar spielt seine Rolle als undurchsichtige Figur. Leider hat Bayek die selbe Motivation wie viele andere Protagonisten von Ubisoft. Rache aufgrund des Verlustes eines Familienmitgliedes. Hier könnte sich Ubisoft endlich mal etwas anderes einfallen lassen.
Bei den Aussichtspunkten haben sie das nämlich auch mal geschafft, indem sie diese in ihrer Funktion etwas abgewandelt haben. Diese sind nicht mehr notwendig, um ein Gebiet aufzudecken, aber sie erweitern das Sichtfeld von Senu. Auch der Todessprung hat eine Abwandlung erhalten. Bayek beherrscht diesen so gut, dass er auch ein Rückwärtssalto machen kann.

Das Questdesign reiht sich in die gute Entwicklung der Reihe ein. Denn die Leute haben Probleme und Bayek ist als Medjai den Einwohnern von Ägypten verpflichtet. Die Aufgaben haben mit dem persönlichen Umfeld der Figuren zu tun, ob ein Bauer um Hilfe bittet seine Ernte zu tragen, da seinen Familienmitgliedern gerade verhindert sind oder eine Ansiedlung Schwierigkeiten mit Banditen hat. Für die Spielwelt von Ägypten ergibt das Sinn, es hilft ihr. Auch wenn es einen nicht näher an die Mordziele bringt, aber das ist egal, wenn die Welt ein Leben simuliert.

Allein deswegen ist Origins durchaus ein Vorbild für andere Spiele, die sich schwer damit tun, mit Nebenaufgaben Geschichten zu erzählen, auch wenn sie nicht erheblich für das Hauptziel sind.
Origins lohnt sich. Auch die Zusatzinhalte, die man sich durch Echtgeld kaufen kann sind nett, aber nicht erheblich für den Spaß und Erfolg im Spiel. Gute Bewaffnung findet man im Spiel sowieso.

Es wäre schön, wenn Ubisoft seinen anderen Spielen auch so viel Entwicklungszeit erlauben würde, denn wie gesagt: Man sieht an diesem Spiel, dass die Entwickler Zeit und Lust hatten.